"Papa, ich will hier bleiben!"

Es ist Samstag kurz vor 11 Uhr. Der Zeltmission-Lieferwagen hält bei der Lok am alten Bahnhof. Nach einer ersten Absprache beginnt das Ausladen der Materialen, gefolgt vom Aufbau. Diesmal wurde in Laichingen, dem Hauptquartier der EMK Zeltmission, die mobile Kirche mit Sitzsack-Lounge verladen.

Die mobile Kirche, aufblasbar wie eine Hüpfburg, soll ein Ort der Stille während des Allianz-Jugendtags sein. Die EMK Pfullingen hat dazu die Hüpfburg aufgeboten. Um in der Kirche nicht den Lärm von den anderen Aktivitäten zu haben, wird die begehbare Kirche etwas abseits platziert. Wie sich später zeigt, prägt die wohl kleinstverpackte Kirche während der Veranstaltung dennoch deren öffentliche Wahrnehmung markant mit. Nach wenigen Minuten ist die Kirche bezugsbereit. Für den Jugendtag wird die Kirche mit einer pinkfarbenen Sitzsack-Lounge und einem Bistrotisch mit Stühlen ausgestattet, dazu ein kleiner Abendmahltisch mit Bibeln zum Mitnehmen.

Pommes, Jugger und Gott

Bereits vor dem offiziellen Start, schauen erste neugierige Passant/innen vorbei, Grosse und Kleine. Ein Teil der Besucher/innen bleibt länger. Sie geniessen die Stille oder suchen das Gespräch. Andere gehen weiter nach einem: «Ich wollte nur sehen, ob das wirklich eine Kirche ist». Die Hauptattraktion sind für die Kinder und Jugendlichen die Pommes, das Mannschaftsspiel Jugger und das Bungee-Trampolin.

… und steht uns Gott zur Seite

Der Jugendtag kommt bei den vorbeilaufenden jüngeren Menschen an. Nach und nach ergeben sich Begegnungen mit Menschen die keinen Bezug zur Kirche und zu Gott haben. Mit einem riesigen Lachen im Gesicht sagt die 4-jährige Stefania in der mobilen Kirche: «Papa, ich will hier bleiben! – Hier ist es so schön.» Der 14-jährige Tizian reagiert auf die Einladung zum späteren Gottesdienst schroff: «Brauch ich nicht!» – Der einjährige kirchliche Unterricht habe ihm mehr als gereicht und die Lust auf Kirche und Gott genommen. Vorerst geniesst er dennoch die Gemeinschaft der Christ/innen. Um 18 Uhr beginnt der Open-Air Gottesdienst, aktuelle Lobpreislieder laden die Anwesenden ein dazu zu kommen. Auch Tizian sitzt unter den Jugendlichen. Die Faszination war wohl doch stärker als die Abneigung. Daneben kann weiterhin auf dem Bungee- Trampolin gesprungen werden. Und so springt nach längerem Anstehen eine junge Muslima, und daneben ertönt von der Lobpreisband: «… und steht uns Gott zur Seite. Wer kann da widerstehen …»

Passende Werkzeuge

Dass die Zeltmission «Zum Segen werden möchte!» ist seit Beginn unverändert. Die äusserliche Art und Weise dagegen, verändert sich immer wieder. «Aktuell nehmen eintägige Einsätze zu», meint Hans-Martin Kienle. «Die Zeltmission hat dafür verschiedene ‹Werkzeuge› u.a. die mobile Kirche. Daneben die stabilen Faltzelte, bei denen der Aufbau innert weniger Minuten erfolgt», sagt der Leiter der EMK Zeltmission. Nach dem Gottesdienst in Pfullingen kann gemütlich vor der mobilen Kirche Schlangenbrot über dem Feuer gebacken werden. Anschliessend beginnt der Abbau. Die Luft ist bei der mobilen Kirche schnell raus. Schon bald ist der Lieferwagen auf dem Heimweg, und die Materialien werden bereit gemacht für den nächsten Einsatz irgendwo in Europa.